Die Lehmschicht

Sie sind der Organisationskiller schlechthin: Unmotivierte, zynische, destruktive Mitarbeiter im mittleren Management behindern ihre Kollegen und den Unternehmenserfolg.

„Ein reines Wasser muss durch einen tiefen Stein.“ Daran muss ich denken, wenn ich an Konzepten für die Interne Kommunikation für große Unternehmen arbeite.

In der Vorstellung wird das Wasser gefiltert und gereinigt, während es durch verschiedene Sedimentschichten sickert. Gleichzeitig werden Mineralien aufgenommen. In der Theorie bleibt als Ergebnis ein besonders gutes Wasser.

Die Top-Down-Kommunikation in Unternehmen funktioniert oft ähnlich. Strategische Programme, verabschiedet vom Vorstand, werden über verschiedene Hierarchieebenen des Unternehmens transportiert. Auf ihrem Weg durch die Organisation nimmt die Information zusätzliche Aspekte auf, während andere weggefiltert werden. Die Anreicherung – Mineralisierung – entspricht den Partikularinteressen einzelner Organisationseinheiten.

Oder den Interessen der jeweiligen Führungskraft.

Das Ergbnis ist – schon in der Theorie – keine besonders gute interne Kommuniktion. Informationen werden unterdrückt, verfälscht, verbogen, zerlegt und dann falsch interpretiert. Wissen ist Macht. Und Führungskräfte aller Hierarchiestufen nutzen diese Macht.

Auch der Vorstand ist frustriert

Frustriert über die eigene Organisation sucht der Vorstand alternative Wege: direkt und unkompliziert. Der Vorstandsbrief an „alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ ist solch ein Mittel. Hier spricht die Chefin oder der Chef: Ich erkläre euch jetzt mal, wie der Hase läuft. Unsere Strategie und warum wir das so machen und nicht anders.

Nichts gegen direkte Kommunikation. Oder doch: Falsch eingesetzt frustriert sie potentielle Leistungsträger und Multiplikatoren. Führungskräfte in der Kommunikation zu umgehen führt fast immer zur Solidarisierung der Führungskraft mit den angenommen Interessen „seiner“ oder „ihrer“ Mitarbeiter. Diese können mit den Unternehmensinteressen identisch sein – gerade in Change-Prozessen sind sie es manchmal nicht.

Was braucht der Mensch?

Was motiviert Menschen im allgemeinen und Führungskräfte im besonderen? Sie suchen soziale Distinktion, sie wollen als Führungskraft wahr und vor allem ernst genommen werden. Dazu benötigen sie Autonomie, Handlungsspielräume, die sie selbst zur Gestaltung nutzen können. Gleichzeitig spüren sie den Wunsch, Gemeinschaft zu erleben, einer Gruppe zugehörig zu sein. Im Idealfall definiert sich die Führungskraft nicht ausschließlich über die spezifische Organisationseinheit, sondern auch über das Gesamtunternehmen. Sie sucht ihre Peer-Group bei anderen leitenden Angestellten – trotz eines häufig permanenten Konkurrenzkampfes.

Fehlende Handlungsspielräume geben Führungskräften gerade in großen Konzernen oft das Gefühl, nur Wasserträger zu sein. Zu entscheiden haben sie nichts. Werden sie nun auch noch in der Kommunikation umgangen, fühlen sie sich bloßgestellt. Entmachtet solidarisieren sie sich vollständig mit ihrem Team, machen Front gegen „die da oben“ und obstruieren strategische Unternehmensprogramme nach Kräften.

Wasserträger oder Colonel Kurtz

Zugegeben, das ist das schlimmste Szenario. Doch auch die weniger drastische Alternative hat negative Folgen: Anfangs versucht die Führungskraft, die eigene Machtlosigkeit zu überspielen, kompensiert sie mit einer eifrigen Erfüllung der Vorgaben. Zunehmend entnervt, da ständig re-aktiv und im Rechtfertigungsdruck gegenüber dem unterstellten Team, zieht sie sich zurück, isoliert sich, baut sich eine eigene Welt. Diese eigene Welt manifestiert sich in teaminternen Regeln, die häufig nur dem einen Zweck dienen, Entscheidungskomptenz zu imitieren.

Eine loss-loss-Situation.

Online Kanäle, „Social Intranets“, fördern diesen Trend eher noch. Dort gibt es die, die „wirklich“ was zu sagen haben, und Mitarbeiter. No ranks, no titles. Aber so funktionieren Konzerne nicht, sie benötigen motivierte Führungskräfte, die sich mit dem Unternehmen identifizieren. Die offen nach oben und unten kommunizieren. Die moderne Kommunikationskanäle angstfrei nutzen und ihren Einsatz fördern. Daran möchte ich mit Ihnen arbeiten: Wir schaffen die Führungskräftekommunikation für das Jahr 2014.

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