Sperrig nur im Titel

Da ist zunächst der Titel. Seymour Reads the Constitution. Wie kommt man denn darauf? Natürlich gibt es dazu eine Geschichte. Brad Mehltau hat einen Traum: Philip Seymour Hoffman liest aus der amerikanischen Verfassung in gemessener, leicht melancholischer Sprache vor. Im Hintergrund spielt Musik. Am Morgen nach diesem Traum hat Mehltau die Melodie sofort aufgeschrieben – daraus wurde die Grundlage des Titelstücks.

„Seymour Reads The Constitution“ basiert auf einem heiligen Ernst in Bezug auf den gestalterischen Gehalt und einer betörenden Leichtigkeit in der Umsetzung. Erneut sind Pop-Adaptionen dabei, und wieder gelingt es dem Team, die Intensität der Gemeinsamkeit noch zu steigern. Eigentlich geht kaum mehr innerhalb des klassisch jazzenden Trio-Formats. Musik ohne Verfallsdatum. (stereoplay, Juni 2018)

Brad Mehldau hat für „Seymour“ sein bewährtes, eingespieltes Trio versammelt. Unterstützt wird er also von Jeff Ballard am Schlagzeug und Larry Grenadier am Bass. Geboten werden neben Eigenkompositionen aus der Feder Mehldaus auch Interpretationen bekannter Popsongs („Friends“, Brian Wilson; „Great Day“, Paul McCartney).

Das fließt gefällig und perfekt arrangiert vor sich hin – mit Elmo Hopes „De-Dah“ und vor allem dem beeindruckenden „Ten Tune“ aus der Feder Mehldaus gewinnt das Album deutlich an Komplexität und Spannung. Mir kommt es fast so vor, als sei das Album um diese beiden Stücke und den Titelsong herum aufgebaut.

Die LP ist sauber, ohne Höhenschlag oder Schlieren, produziert. Das bedruckte Innencover gibt wenig zusätzliche Infos zu den Stücken. Hier geht’s zur Spotify-Fassung.

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