Der ultimative Städtevergleich: München vs. Hamburg

DirndlDer ultimative Städtevergleich in 13 wahrhaft relevanten Disziplinen – und (fast) ohne Berlin! Angeregt durch die Elbphilharmonie-Euphorie steigen Hamburg und München in den Ring.

Also beginnen wir gleich mit der Kategorie „Konzertsäle“. Das bedeutet Gasteig gegen Elbphilharmonie. Und hier geht es nicht um Finanzen, sondern um die Eignung als Konzertsaal.

Dem Gasteig wurden noch nie eine besonders gelungene Akustik nachgesagt. Leonard Bernstein hat sein Urteil nach einem Auftritt im Gästebuch festgehalten – „burn it“. Dass er damit die eigene Aufführung gemeint haben könnte und nicht den Saal mit seiner „unverwechselbaren“ Akustik ist eher unwahrscheinlich.

Hamburger Elbphilharmonie

Die Elbphilharmonie sichert den ersten Punkt für die Hansestadt.

Die Elbphilharmonie wird nach der Eröffnung von allen Seiten gelobt. „Der Klang ist wirklich die Oberwucht“, befindet Timo Janzen, Bassist im BR-Chor und damit einer Hamburg-Lobhudelei unverdächtig.

Klare Sache, der erste Punkt geht nach Hamburg.

Clash of Bürgermeister

Und damit kommen wir zur zweiten Kategorie, Stadtoberhäupter. Moment, wir heißt der Münchener OB? Da geht’s schon los. Dieter Reiter heißt der Mann und ist seit Mai 2014 weitgehend wirkungslos im Amt. Das ist natürlich subjektiv, aber Reiter setzt keine erkennbaren Akzente und wird außerhalb des Rathauses kaum wahrgenommen.

Ganz anders Olaf Scholz. Immerhin schon seit März 2011 im Amt gilt er vielen als Hoffnung der EsPeDe im bevorstehenden Bundestagswahlkampf. Präsenz in deutschen Talkshows ist natürlich nur ein Indikator der öffentlichen Wahrnehmung, aber hier liegt Scholz im sozeninternen Duell klar vorne. Auch was Aussagen zu gesamtdeutschen Themen angeht läßt der Hanseat dem Bayern keine Chance. Hamburg erhöht auf 0:2.

Fussball: Liga-Dino gegen Champions League

Die nächste Kategorie: Fußball-Bundesliga. FC Bayern gegen den HSV. Darum kurz und knapp: Anschlusstreffer für München. 1:2.

Und gleich die nächste Kulturkategorie. Wie sieht’s denn aus mit der Literatur? Genauer: Mit den großen Schriftstellern. Wobei wir uns an den gebürtigen Hamburger Arno Schmidt halten und ihn nicht für die Hansestadt veranschlagen wollen, denn – es kommt nicht darauf an, wo der- oder diejenige geboren wurde, sondern wo sie ihren Lebensmittel- oder -endpunkt gefunden haben. Und so bleibt auch Thomas Mann außen vor, der sich München zwar erwählt hat, aber dann doch außer Landes getrieben wurde.

Beginnen wir also mit Hamburg. Da wäre zuerst einmal Hans Henny Jahnn. Mit seinem brachialen Werk, allen voran der mächtigen Trilogie „Fluß ohne Ufer“, neigt sich die Waagschale fest und bestimmt auf die hanseatische Seite. Nur mit vereinten Kräften von Hermann Lenz und Wolfgang Köppen gelingt den Münchenern der Ausgleich. Den leichtfüßig vorgetragenen Angriff durch Brigitte Kronauer pariert München mit Uwe Timm – ganz sacht neigt sich die Gunst in Richtung der sogenannten Isarmetropole, die ihren Vorsprung mit der schieren Auflagekraft von Patrick Süskind ausbaut. Wie im Werther hallt es allerdings „Klopstock!“ – können sich die Münchener davon erholen? Verzweifelt zerren sie nun Carl Amery aus der Versenkung, in der er berichtigt verschwunden ist. Es hilft wenig!

Sollen sie es nochmal mit Auflage probieren? Hat doch beim Süskind gut funktioniert – also: „Uta Danella!“

Knarzend und nur unter Protest kommen die Waagschalen ins Gleichgewicht. Ermutigt werfen die Bayern Paul Heyse und Elfriede Jelinek ins Rennen. Der Protest aus Hamburg „die Jelinek ist doch niemals nicht in München“ wird abgelehnt; gegen die dann vom Norden aufgeführten Fanny Müller, Harry Rowohlt und Peter Rühmkorf regt sich zwar auch Widerstand („echt jetzt?“, „kein Schriftsteller“, „Leichtmatrose“), der aber ebenfalls abgelehnt wird. Auch die letzte Wortmeldung aus dem Süden (Joseph von Westphalen) kann den knappen Erfolg der Hamburger in dieser Disziplin nicht mehr gefährden. 1:3 heißt es nun. Wer hätte das gedacht?

Gaudeamus igitur reicht nicht

Wie sieht es denn bei der Hochschulbildung aus? Von den drei Top-Unis in Deutschland sind laut Times-Ranking gleich zwei in München angesiedelt: die TU und die Ludwig-Maximilians-Universität. Die Hamburger sind nicht in den Top 100 weltweit. Klare Sache, der Punkt geht in den Süden.

Auch im Vergleich der Schulen liegt München vorn. Der Pisa-Vergleich ist umstritten wie jedes Ranking. Doch der Abstand zwischen Bayern (Platz 1, nur noch herausgefordert durch den Freistaat Sachsen) und Hamburg (irgendwo im Schlussviertel) ist einfach zu groß, um München diesen Punkt zu verweigern. Ausgleich. 3:3.

Feste feiern

Auf diesen harten Doppelschlag aus dem Süden gönnt sich der Hanseat / die Hanseatin ein Astra und sieht entspannt der nächsten Disziplin entgegen: wo lässt sich besser feiern? Nein, liebe Münchener, das Oktoberfest zählt nicht, dafür kommt noch die Kategorie „Volksfeste“. Und ganz ehrlich, wenn die Hamburger weggehen, liegen wir in München schon wieder in unseren Betten oder steigern das Bruttosozialprodukt. Der Punkt geht nach Hamburg. Und damit steht es 3:4.

Für die nächsten Disziplin darf jede Stadt ein Volksfest ins Rennen führen – und die Münchener wählen überraschenderweise nicht die Auer Dult.

Oktoberfest

Das Oktoberfest bleibt das Maß aller Dinge.

Und so trifft mit dem Hamburger Dom das „größte Volksfest des Nordens“ auf das Oktoberfest und damit das „größte Volksfest der Welt“. Spaß machen beide –wenn man Lust auf diese Art Amüsement hat. Jedenfalls ein klarer Maß-Punkt für München und damit der Ausgleich zum 4:4.

Die nächste Disziplin kann den hartumkämpften Gleichstand nicht auflösen. Geht es doch um den Freizeitwert der näheren Umgebung, also in einem Radius von ca. 100 km. Ob man nun lieber ans Meer oder in die Berge fährt ist nun wirklich Geschmackssache, das 5:5 steht. Erweitern wir den Radius zu einem bequemen Wochenendtrip mit dem Auto, also auf ca. 400 km, kommen wir von München aus bequem nach Verona und natürlich vorher an den Gardasee; doch, das zählt schon zu Italien. Auch Wien steht auf dem Programm, ebenso wie Prag, Zürich und, gerade noch in Shopping-Schlagweite, Mailand.

Die Hamburger könnten nach Kopenhagen. Oder Stettin ostwärts bzw. Amsterdam im Westen. Auch Berlin steht auf dem Zettel, aber – wer will schon von Hamburg nach Berlin fahren? Nein, der Punkt geht an München. 6:5.

Fly away

Und wer weiter weg will? Muss zum Flughafen! Fuhlsbüttel gegen Erdinger Moos, laut Ranking des Deutschen Kundeninstituts eine klare Sache: München auf Platz 1, Hamburg auf Platz 7 – nach Koryphäen wie Nürnberg, Hannover und Bremen. Und auch wenn wir die Wohlfühlfaktoren wie Shopping-Angebote etc. bei der Bewertung weglassen, geht MUC klar als Sieger hervor, dem guten Flugangebot sei Dank. München zieht mit 7:5 davon.

Aber … was dem einen sein Flughafen ist dem andern sein Hafen-Hafen. Oder ganz generell: Elbe schlägt Isar. Ist länger, breiter und manchmal auch schöner. Und Schiffe können auch auf ihr fahren. Hamburg arbeitet sich zu einem 7:6 heran.

Gibt es einen Sieger?

Können sich die Hanseaten mit der letzten Disziplin ein Unentschieden erarbeiten? Hier geht es um die Pro-Kopf-Verschuldung. Und ja, das ist ein bisschen unfair, denn HH ist Stadtstaat, München nur eine Landeshauptstadt. Und doch sind die Statistiken so eindeutig (und für die Norddeutschen niederschmetternd), dass sich eigentlich jede Diskussion erübrigt.

Und so geht München mit 8:6 als knapper, letztendlich aber deutlicher Sieger aus diesem höchst subjektiven Städtevergleich hervor.

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