Unter Gleichen

Bericht von der Bürgerversammlung 2026 für die Stadtbezirksteile Perlach, Neuperlach und Waldperlach (München) am 16. Juli 2026

Mensa des Werner-von-Siemens-Gymnasiums, Quiddestraße 4, 81735 München
Eingang zur Mensa des Werner-von-Siemens-Gymnasiums.
Hier findet bei sommerlichen Temperaturen die Bürgerversammlung statt.

18:56 Uhr, vier Minuten vor Beginn der Bürgerversammlung in der Mensa des Werner-von-Siemens-Gymnasiums. Die Stuhlreihen füllen sich, ich schätze die Zahl der Anwesenden auf 150 bis 200 Personen. In den kommenden 15 Minuten wird die Zahl noch auf vielleicht 300 wachsen. Die Altersverteilung zeigt einen deutlichen Höcker auf der rechten Seite; das habe ich erwartet. Wahrscheinlich senke ich mit meinen 57 Lebensjahren den Altersdurchschnitt, aber da spricht vielleicht meine Eitelkeit.

19:04 Uhr. Der Beamer wird abgeblendet, auf dem Podium sind vier mir noch unbekannte Menschen zugange. Ich meine, Thomas Kauer, den Bezirksausschussvorsitzenden zu erkennen. Anders als auf der Website trägt er keinen Anzug, sondern ein schwarzes T-Shirt. Eine fünfte Person kommt auf das Podium. Es scheint um die Technik zu gehen; warum sollte das hier auch anders sein als im wahren Leben? Das Beamerbild erscheint wieder. Jetzt erkenne ich Stadtrat Clemens Baumgärtner, vor allem, weil sein Name auf dem Screen zu sehen ist. Und natürlich an der seit dem Kommunalwahlkampf ikonischen Brille.

Dies ist meine erste Teilnahme an einer Bürgerversammlung.

Der Stadtrat begrüßt die Bezirksausschussmitglieder; zum Glück nicht einzeln, sondern in toto. Es stellt sich heraus, das Thomas Kauer nicht der Herr im schwarzen T-Shirt ist, sondern am Rand des Podiums im blauen Hemd sitzt. Baumgärtner leitet souverän ein und übergibt an den BA-Vorsitzenden.

Zweck und Aufgabe der Bürgerversammlungen ist die gegenseitige Unterrichtung von Bürgerschaft und Verwaltung, sowie die Einflussnahme der im Stadtbezirk wohnenden Bürger*innen auf und ihre Mitsprache bei Entscheidungen der Stadtverwaltung, die sich in ihrem Stadtbezirk auswirken. Die Stadtverwaltung nimmt die Gelegenheit zum direkten Kontakt und Dialog mit den Münchner*innen sehr gerne wahr.

Über die wichtigsten Anliegen der anwesenden Bürger und Bürgerinnen berichte ich in gesonderten Beiträgen. Die Versammlung selbst beginnt mit einem Bericht des Bezirksausschussvorsitzenden, einem Bericht der zuständigen Polizeiinspektion und darauf folgend die Bürgeranträge.

Thomas Kauer erläutert kurz die Pläne zur Weiterentwicklung des Areals rund um die Lätare-Kirche. Nach einem Architektenwettbewerb wird eine „Nutzungsmischung“ angestrebt. Vorgesehen ist die Nutzung der Kirche als Kultur- und Veranstaltungsraum, ferner ein Haus für Hospizarbeit des Christophorus Hospizvereins (Neubau auf Parkplatzfläche), GesundheitsTreff, BildungsLokal Neuperlach, Diakonie, Münchner Tafel, Heilpädagogische Tagesstätte sowie ein Café am Kirchplatz.

Das zweite Thema betrifft eine diskutierte Nachverdichtung Neuperlach Nord. Gemeint sind mögliche Neubauten, teilweise auf freien Flächen, teilweise nach Abbruch. Das Thema scheint niemanden der Anwesenden zur berühren. Immerhin würden ca 280 neue Wohneinheiten entstehen. Die bestehenden Mietverhältnisse sollen erhalten bleiben.

Der nächste Tagesordnungspunkt wird auch bei den Bürgeranträgen nochmals auftauchen. Es geht um Wunsch und Wirklichkeit am Hanns-Seidel-Platz. Das ursprünglich angedachte Kulturzentrum hat mehr oder weniger den Charakter einer Wunschvorstellung. In der Realität schließt das Neuperland sowohl die bauliche als auch inhaltliche Lücke mehr schlecht als recht. Nicht, weil die Idee von Neuperland nicht gut wäre. Inhaltlich wäre es eine gute Ergänzung zum ZAK auf dem Theodor-Heuss-Platz in wenigen Hundert Metern Entfernung; dann ließe sich vielleicht ein Angebot mit größerer zeitlicher Abdeckung realisieren.

Doch auch die Perspektive der Zwischennutzung durch Neuperland ist aufgrund der Haushaltslage offen. „Der Bezirksausschuss hat sich daher an Herrn Oberbürgermeister“ gewandt. Antwort aus dem OB-Büro: „Um trotz fehlender Haushaltsmittel dennoch endlich die Nordparzelle am Hanns-Seidel-Platz zu schließen und das den Bürgerinnen und Bürgern von Neuperlach seit Jahrzehnten versprochene urbane Zentrum zu realisieren, wird derzeit eine Kooperation mit den Stadtwerken geprüft.“

Nächster angekündigter Schritt: Gespräch mit der 2. Bürgermeisterin Mona Fuchs. Sieht also nicht so aus, als würde sich hier etwas tun. Ohne den einen Stadtteil gegen den anderen auszuspielen, ist es doch erstaunlich, dass in Pasing ein zweites Kulturzentrum entstehen soll.

Seniorenwohnanlage am S-Bahnhof Perlach

Danach stellte Thomas Kauer den Planungsstand zur Seniorenwohnanlage am S-Bahnhof Perlach vor. Dieser Tagesordnungspunkt war Gegenstand zahlreicher Anträge – ich werde dieses Thema gesondert behandeln. Kurzgesagt: Angedacht sind vier sechsstöckige Baukörper, die zahlreich anwesenden Anwohner möchten die Geschoßhöhe auf maximal vier Stockwerke begrenzen und die Anzahl der Gebäude reduzieren. Überschlägig würde das die Nutzfläche halbieren und dadurch einen wirtschaftlichen Betrieb erschweren.

Es folgt eine Information zum Ausbau der Carl-Wery-Straße in Neuperlach Süd: Baustellenchaos, vierspuriger Ausbau der Straße mit Busspur in der Mitte. Die Baustellensituation wird noch bis nächstes Jahr andauern, dann folgt eine Begrünung.

Wohl wissend, das es zum nächsten Thema eine ganze Reihe von Abstimmungen geben wird, geht Thomas Kauer detailliert auf das „Projekt“ U-Bahnbetriebshof Neuperlach Süd ein. Auch das ist mir mindestens einen eigenen Beitrag wert. Ich setze das Wort „Projekt“ in Anführungszeichen, weil ein Projekt für mich mit Start- und ein Enddatum versehen. Der U-Bahnbetriebshof hat weder das eine noch das andere.

Siemens hat per Pressemitteilung angekündigt, bis Ende 2027 die in Perlach verbliebenen Büroflächen ins Werksviertel zu verlagern. Weitere Informationen liegen noch nicht vor. Ob ein Umbau und eine Weiternutzung der Gebäude möglich ist oder abgerissen und neugebaut wird ist offen. Durch die Nähe zum „geplanten“ U-Bahnbetriebshof ist der Gedanke einer integrierten Betrachtung naheliegend; aber was weiß ich schon?

Das auf dem Gelände des Kieswerks in Waldperlach stattfindende Heart BeatZ Festival wird auf den 5. September 2026 verschoben und findet nicht an zwei Tagen, sondern an nur einem Tag statt. Es wird also deutlich kleiner. Dieses Festival scheint ein „Aufreger“ gewesen zu sein. Ich wohne in unmittelbarer Nachbarschaft und hatte davon bisher nichts mitbekommen. Shame on me.

Perlach ist sicher

19:37 Uhr, Thomas Kauer bedankt sich bei seinen Kollegen und Kolleginnen im Bezirksausschuss und übergibt an Malte Hildebrandt, Polizeihauptkommissar, für den jährlichen Sicherheitsbericht. Die zuständige Polizeiinspektion 24 ist die größte in München und nicht vollständig identisch mit den drei Perlacher Stadtteilen. Primärer Einsatzbereich sind „Verkehrssituationen“ und Ruhestörungen.

Die Kriminalitätsstatistik zeigt, dass wir in einem der sichersten Bezirke Bayerns leben. Hier schlagen für das vergangene Jahr 3746 Straftaten (bezogen auf 100.000 Einwohner) zu Buche. Für die Stadt München liegt dieser Wert bei 5.798, im „Spitzenreiter“ Berlin bei 13.233 Taten.

Die weiteren, interessanten Angaben zeigen die Kriminalitätsentwicklung in Prozent. Ich versuche, dazu auch die absoluten Zahlen zu ermitteln und separat zu berichten.

Im Anschluss folgten die Anträge der Bürger und Bürgerinnen; die alle bis auf einen (Zwischennutzung Neuperland) angenommen werden. Über drei Anträge plane ich eigene Artikel: Seniorenwohnanlage am S-Bahnhof Perlach, den U-Bahnbetriebshof und den Spielplatz Adam-Berg-Straße.

21:06 Uhr. Die Bürgerversammlung ist beendet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert