Kindle – iPod für die Verlagsbranche?

Noch haben sich E-Book-Reader in Deutschland nicht auf breiter Front durchgesetzt. Kein Wunder, werden wir doch auch noch immer mit der alten Kindle-Version abgespeist, während Amazon den US-Markt bereits seit einiger Zeit mit einem neuen, stark verbesserten Gerät bedient. Vor allem aber ist das Angebot in Amazons US-Store sehr viel größer – und der Kauf funktioniert ähnlich simpel wie das Einkaufen in Apples iTunes / iPod-Kombination.
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Eine weitere Analogie liegt auf der Hand: Noch bevor der erste iPod auf den Markt gekommen ist, hat sich das Musik-Rezeptionsverhalten geändert. Musik wurde auf dem (vom) Computer und unterwegs gehört. Nicht von einer Mehrzahl der Nutzer, aber von einer kleinen, technikaffinen Zielgruppe. Die Kombination von iTunes & iPod hat diese Rezeption Mainstream-fähig gemacht. Ähnlich sieht es heute im Zeitschriften- und, zumindest teilweise, im Buchmarkt aus. Aktuelle Informationen bekommen die Digerati längst nicht mehr aus der Tageszeitung oder dem Fernsehen, sondern individuell konfiguriert auf ihren PC oder ihr mobiles Endgerät. Und wo früher gedruckte Ratgeber herangezogen wurden, genügt mittlerweile eine kurze Internetrecherche (aka googlen).
Folge: Der Buch-Ratgebermarkt verzeichnet dramatische Rückgänge. In den USA sterben Tageszeitungen en masse. Die Zukunft des professionellen Journalismus wird in Frage gestellt und diskutiert.
Könnte der Kindle mit seiner engen Verzahnung von Angebot (über Amazon) und mobiler Rezeption die Rettung für die angeschlagenen Verlagshäuser bieten – ein Zukunftsmodell also, wie sich bezahlte Angebote auch im Informationsbereich auf breiter Front durchsetzen? Dabei steht „Kindle“ nicht für ein bestimmtes E-Book-Reader-Modell, sondern für die Integration von Content und Bezahlfunktion. In den USA bieter Amazon beispielsweise Kindle-Software fürs iPhone an.
Warum der Kindle die Verlagsbranche retten wird …

  1. Professionell aufbereitete Inhalte sind ihr Geld wert, und dieser Wert wird von den Lesern anerkannt. Was bisher gefehlt hat, ist eine sichere und einfache Bezahlmethode bzw. ein vertrauenswürdiger Anbieter. Amazon schafft für Zeitschriften und Bücher, was Apple für Musik geschafft hat.
  2. Das mobile Leseerlebnis wird durch spezifische Endgeräte erst wirklich attraktiv. Die Spezialisierung bedeutet auch Vereinfachung, jedes Endgerät erfüllt einen Zweck. Damit ist das Auswählen, Kaufen und Lesen auf dem Kindle so simpel, dass auch weniger technikaffine Zielgruppen die Vorteile nutzen können.
  3. Falls Punkt eins doch nicht stimmen sollte, ermöglicht der Kindle werbefinanzierte Angebote. Die Online-Tageszeitung finanziert sich dann über Anzeigen. Amazon bietet Herausgebern und Werbewirtschaft ein einfaches Abrechnungs- und Belegungsmodell an (und verdient ebenfalls gut daran.)

… warum der Kindle den Zusammenbruch der Verlagsbranche, wie wir sie kennen, nicht verhindern kann

  1. Die User haben sich längst an „Free-Content“ gewöhnt – warum zahlen, wenn’s Informationen doch an jeder Internetecke umsonst gibt?
  2. Das Einbinden eines RSS-Feeds ist auch für Laien bald so einfach wie das Brötchenholen. Und in Wirklichkeit ist es ja sogar einfacher.
  3. Warum soll ich eine Unzahl von Geräten mit mir rumschleppen? Smartphones sind die besseren Info-Devices. Und die Bedienung eines iPhones ist auf keinen Fall komplizierter als die Kindle-Benutzung. Dafür stehen mir auf dem Smartphone aber beliebige Kanäle zur Verfügung.
  4. Werbefinanzierung funktioniert nur, wenn die Endgeräte transaktionsfähig sind …
  5. … und die Contentangebote die Vorteile kanalspezifisch nutzen. Das heißt: Aktuelle Infos bekomme ich per Feed schneller, scheinbar kostenfrei und verlinkt auf Hintergrundstories. Wenig Chancen für Kindle + Co. – Ratgeber? Lass uns googlen. – Belletristik? Ja, kann sein.

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